Vier SchülerInnen aus dem Kurs „Gesundheit und Soziales“ (R9) bei Frau Martens versuchten zwei Tage auf ihr Handy zu verzichten. Hypothese: Häufiger Handygebrauch macht süchtigStimmt das? Die SchülerInnen erklärten sich bereit, ihr Handy für zwei Tage bei Frau Holst abzugeben und eine Art Tagebuch zu führen. Immer wenn sie ihr Handy benutzen würden, sollten sie ihre Gedanken und Gefühle aufschreiben um ein Bewusstsein für ihr Verhalten zu entwickeln.

Hier nun die Berichte:

 

Namen wurden geändert!

Roswita:

Tag 1:

Auch wenn es sich blöd anhört, aber der Moment als ich mein Handy weg geben musste, war der schlimmste...

Ich habe mich in der Schule ziemlich unwohl gefühlt...Mit Handy fühle ich mich irgendwie geschützter. Im Bus war es ganz schlimm. Normalerweise höre ich im Bus immer Musik, aber heute musste ich eine Freundin fragen, ob ich bei ihr mit hören kann, das war ziemlich peinlich...

Am Nachmittag war es auch ziemlich doof, weil ich nicht zu erreichen war, deswegen verabredete ich mich per Haustelefon mit meinem Kumpel.

Am Abend wurde es wieder schlimmer weil ich nichts zu tun hatte. Sonst verschick ich abends immer noch SMS. Dann bin ich eingeschlafen.

Tag 2:

Ich habe mir am Tag zwar den Wecker meiner Mama geklaut, da ich sonst immer mit dem Handy aufwach. Ich habe den Tag ohne Handy eigentlich gut überstanden, da ich die ganze Zeit krank im Bett lag.

Ich denke, dass dieses „Experiment“ mal nötig war. Ich hänge sonst den ganzen Tag an meinem Handy. In einem ganzen Monat mache ich mein Handy vielleicht 2mal aus, das wird sich in Zukunft ändern. Ich habe gelernt, dass ich öfters mal drauf verzichten kann.

Herbert:

Tag 1:

Ich habe mein Handy gerade mal 5 Minuten abgegeben und es ist ein komisches Gefühl. Ich stell mir die Zeit bis Freitag sehr hart vor. Ich weiß gar nicht was ich machen soll OHNE HANDY.

Alle meine Telefonnummern sind in meinem Handy gespeichert und jetzt weiß ich nicht wie ich meine Freunde erreichen soll. Was ist wenn mir jemand eine SMS schreibt? Ich kann nicht antworten.

Tag 2:

Die drei Tage ohne Handy waren sehr hart für mich. Ich bin es gewohnt auf's Handy zu gucken und SMS zu schreiben. Das ging in dieser Zeit nicht. Ich habe mich sehr schlecht gefühlt.

Conny:

Tag 1: In der Schule fehlte das Handy schon, weil man oft drauf schauen wollte wie spät es ist. Abends fehlte es weil ich keine SMS mehr bekommen konnte von meinem Freund, geschweige denn einen Anruf! Zwischendurch auch sehr oft, weil ich aus Gewohnheit immer drauf gucke wegen allen möglichen Sachen

Morgens fehlte es mir als Wecker.

Danach im Bus wegen der Uhrzeit. In der Schule dann weil ich wieder keine Uhr hatte und als als Girlsday-Tag in der Fotorally als Kamera.

Nach der Schule fehlte es mir, weil mein Freund wieder nicht anrufen konnte. Nachmittags wollte ich eine Freundin anrufen um etwas nach zu fragen, ihre Nummer ist aber im Handy gespeichert.

-Am Anfang war es grausam, weil der Drang groß ist, immer rauf zu gucken ob etwas Neues drauf ist oder wegen der Uhr.

-Mit der Zeit gewöhnt man sich aber dran, man spürt das es eigentlich gar nicht so wichtig ist, man vermisst es trotzdem...

Konstanze:

Schon am Mittwoch habe ich bemerkt, was es für ein komisches Gefühl ist, ohne Handy zu sein.

Auch wenn ich ab dann nicht mehr erreichbar war und ich keine Musik mehr hören konnte, fühlte ich mich auf eine komische Art und Weise befreit. Als ich zu Hause war wollte ich zum Hausaufgaben machen Musik hören, aber als mein MP3-Player nicht auffindbar war, wollte ich schon nach meinem Handy suchen. Erst nach 15 Minuten ist mir wieder eingefallen, dass ich ja gar kein Handy mehr habe.

Donnerstag morgen musste meine Schwester mich aufwecken, da ich keinen Wecker mehr hatte. Sonst verlief am Tag alles so wie immer, außer dass ich echt gerne Musik gehört hätte.

Am Abend bekam ich eine E-mail wo drin stand, ich solle mal an mein Handy gehen weil mich jemand 4mal versucht hat anzurufen. Was ich jedoch nicht tun konnte.

Die Vorteile wenn man kein Handy hat:

Mehr Ruhe, kein Stress, entspannte Zeit für andere Dinge.

Und die Nachteile:

Ich kann keine Musik mehr hören, weiß nie wie spät es ist, weshalb ich auch am Donnerstag fast den Bus verpasst habe – und ich habe Anrufe verpasst.

Nach zwei Wochen Ferien wurden die SchülerInnen gefragt, ob sich Benutzerverhalten nachhaltig verändert hätte. Erstaunlicherweise berichteten sie, dass sie mehr darauf achteten wann sie das Handy benutzten oder es auch mal zu Hause oder ausgeschaltet ließen. Eine Schülerin berichtete, sie ließ es einfach liegen und sie merkte dass es ihr nicht mehr so wichtig war.

 

Ergebnis des Experimentes:

Nachdem wir uns thematisch mit dem Thema Sucht auseinandersetzten, beurteilten wir nun, ob es sich bei den Probanden um Handysüchtige oder ob es sich bei ihnen (nur) um eine schlechte Angewohnheit handelte.

Fast einstimmig entschied sich die Gruppe, dass es sich bei Roswitha, Conny und Konstanze um eine schlechte Angewohnheit handelt, die sie sich auch schnell wieder abgewöhnen könnten. Bei Herbert, da waren sich auch fast alle einig, geht das Verhalten schon in Richtung Sucht. Er sollte seinen Umgang mit dem Handy überdenken.

Dieses Experiment zeigt, dass es möglich ist, Gewohnheiten anzuschauen und zu verändern. Es soll ein Aufruf an alle Schüler und auch die Eltern und Lehrer sein, ihr Benutzerverhalten zu überprüfen!