Junge Buslotsen entlasten den Fahrer


Damit es in Schulbussen nicht zu unerwünschten Auswüchsen kommt, bildet die Selsinger Heinrich-Behnken-Schule seit Jahren interessierte Achtklässler zu Buslotsen aus. Diese sollen dafür sorgen, dass Situationen mit extrem lärmenden Kindern, schubsenden Jugendlichen oder gar handfeste Konflikte gar nicht erst entstehen oder schnell beigelegt werden.


Bei Konflikten im Bus sollen speziell geschulte Jugendliche deeskalierend eingreifen und besonnen für Ruhe sorgen – wie in diesem Rollenspiel.


Sechs Jahre schon wird dieses Projekt an der Haupt- und Realschule angeboten, um Busfahrer zu entlasten und somit – nicht nur während der Fahrt – für mehr Sicherheit zu sorgen. Das beginnt schon an der Haltestelle. Nicht Drängelei führt hier schneller zum Ziel, sondern ein geordneter, ruhiger Einstieg. Das sollen die Buslotsen ihren Mitschülern vermitteln.

Um Missverständnisse zu vermeiden: Die meisten Fahrschüler verhalten sich normal und fallen nicht negativ auf. Probleme bereiten zuweilen kleine Gruppen mit oft denselben Personen, darunter auch „freche Grundschüler“, die keinen Respekt vor Älteren hätten, hieß es. Wie den Unruhestiftern klar gemacht werden kann, dass Konflikte im Schulbus nicht erwünscht sind, erfuhren die teilnehmenden Achtklässler jetzt während eines Projekttages. Beratungslehrerin Anne Toben, Sozialpädagogin Tanja Gorodeiski-Pfleging und Busfahrer Jürgen Böse von der Firma Stoss gaben den Jugendlichen Tipps, wie sie deeskalierend auf ihre Mitschüler einwirken können. „Energisch vorgehen, aber nicht aggressiv“, riet Anne Toben. Gewalt sei tabu. Vielmehr gehe es darum, freundlich aber bestimmt zu überzeugen. „Immer mutig voran“, appellierte sie – nicht alleine, sondern im Team, also mit mindestens zwei Buslotsen, weil das mehr Eindruck mache.

Die Achtklässler erfuhren, welche Wirkung Körpersprache, Stimmlage, Mimik, Gestik und wohlgesetzte Worte haben. Rollenspiele in einem Schulbus ergänzten das Projekt. Hier übten die angehenden Buslotsen, wie sie inszenierte Konflikte lösen sollten. Zehntklässler unterstützten den Nachwuchs, gaben ihren Nachfolgern hilfreiche Tipps.

Bis zu den Sommerferien können die nun geschulten Achtklässler den älteren „Kollegen“ über die Schulter schauen, danach müssen sie selbst Verantwortung übernehmen. Der Lohn ist ein positiver Vermerk im Zeugnis.

Zwar komme es in Einzelfällen vor, dass es Jugendliche allein auf eben diesen Vermerk im Zeugnis abgesehen haben, sich im Bus nicht um Schlichtungen kümmern, so der persönliche Eindruck von Busfahrer Jürgen Böse. Generell sieht er die allermeisten Buslotsen indes als große Hilfe und Entlastung, lobt die Vorbildfunktion und das Engagement der am Projekt teilnehmenden Schüler, die mit ihrer Tätigkeit Verantwortung übernehmen. Außerdem habe er festgestellt: „Wo Buslotsen im Einsatz sind hat die Sachbeschädigung abgenommen.“